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Angelgeschichten



Makrelen satt !!!
Datum 29.03.2010
Autor Administrator
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Seite 1 von 1
Morgens um 5 Uhr sollte es endlich losgehen. MerkwĂŒrdig, an normalen Schultagen komme ich nicht mal um 7 Uhr aus den Federn. Heute um 4 Uhr war ich schon hellwach und den Rest der Nacht habe ich vor Aufregung auch kaum geschlafen. Aber heute geht es endlich los. Ich fahre mit der Jugendgruppe unseres Vereins nach Holland zum Makrelenangeln.



Also raus aus dem Bett, waschen, ZĂ€hne putzen, anziehen.
FrĂŒhstĂŒck? Ich habe keinen Hunger. Schnell noch einen Blick auf die Uhr. Mann, noch eine halbe Stunde Zeit. Beim Blick auf meine Angelsachen kommen mir Zweifel.
Habe ich wirklich genug Eimer und TĂŒten fĂŒr die Makrelen, die angeblich so zahlreich gefangen werden?


Die Warterei macht mich nervös. Endlich kommt Karl unser Jugendwart vorgefahren. Schnell sind die Sachen im Kofferraum verstaut und los geht’s. Vorneweg wir und hinten Rudi mit seinem Golf.
Nach gut 2 Std. haben wir unser Ziel, Ijmuiden an der hollĂ€ndischen NordseekĂŒste erreicht. Nach weiteren 45 Min. suchen im Hafen haben wir unseren Kutter, die Dolfijn gefunden. Anfangs kommen uns Bedenken, diese kleine rostige Nussschale zu betreten. Doch als der KapitĂ€n mit seiner Mannschaft an Bord geht, haben wir uns mit dem Boot schon angefreundet. Die Luft riecht nach Salz und nach Fisch.

Nun meldet sich der Magen. Hunger ! Wir machen es uns gemĂŒtlich und frĂŒhstĂŒcken, was Mutter so eingepackt hat. Belegte Brote, Frikadellen, Karl kaut auf seiner Fleischwurst mit Knoblauch. Endlich ist auch der Dieselmotor warmgelaufen, die Leinen los und unsere Nussschale tuckert langsam los. Trotz einsetzendem Regen ist die Stimmung der 15 Angler an Bord gut. Karl klĂ€rt uns ĂŒber die Vorteile bei Angelfahrten mit Regen auf:

". . . bei Regen sind die Wellen nicht so hoch."


Er hat Recht, ich sehe keine Wellen im Hafen.



AllmĂ€hlich erreichen wir die offene See. Diese Wellen haben sicherlich noch nichts von Karls Theorie gehört. Aber was soll’s, ich kann auch von einem wackeligen Schiff angeln und den Makrelen macht es bestimmt auch nichts aus. Nur im Magen wird es mir ein wenig flau.




Sicherlich habe ich vorhin zu hastig gegessen. ZufĂ€llig bekomme ich mit, dass einem meiner Angelkollegen schon das FrĂŒhstĂŒck aus dem Gesicht fĂ€llt. Kein angenehmer Anblick, bei meinem ramponierten Magen. Als das Schiff zum ersten Mal anhĂ€lt, geht es mir schon so dreckig, dass ich nicht einmal mehr Lust zum Angeln verspĂŒre. Halbherzig und entsprechen erfolglos hĂ€nge ich mein Makrelenpaternoster ĂŒber Bord. Die Wellen werden auch immer höher. Zudem treiben wir quer mit den Wellen. Ich habe das GefĂŒhl, der Kutter wird von

den riesigen Brechern zermalmt. Wenn das mal gut geht. Vor lauter Elend taumele ich in die KajĂŒte. Einen großen Teil meiner Angelkollegen finde ich hier wieder. Scheint ihnen ebenfalls nicht rosig zu gehen. Auch unsere drei SeebĂ€ren aus Wesel, mit denen wir uns angefreundet hatten finde ich hier wieder. In abwechselnder Reihenfolge stĂŒrzen sie raus zur Reling, um die Fische zu fĂŒttern. Irgendwann erschein auch unser Jugendwart auf der BildflĂ€che. Sein Gesicht hat die Farbe von meinen grĂŒnen Angelstiefel angenommen. Er sieht aus, wie ich mich fĂŒhle. Zum Sterben.



Er gesellt sich wortlos zu uns auf eine freie Bank und wartet auf das Ende.
Als einmal ein HollĂ€nder die KajĂŒte betritt, erfasst wieder einmal eine riesige Welle unser Schiff. Es neigt sich bedrohlich zur Seite. Unser HollĂ€nder verliert das Gleichgewicht und fliegt im hohen Bogen durch die gute Stube. Ein Tisch gebietet den beeindruckenden Flug Einhalt und er landet sehr unsanft direkt vor unseren FĂŒĂŸen. Mit einer blutenden Wunde am Handgelenk hat sich der Angeltag fĂŒr ihn auch erledigt. Ich sinniere: Holland war doch mal eine Seefahrernation, die mĂŒssen doch so was abkönnen. Aber egal, vom Makrelenangeln wollte jedenfalls keiner von uns mehr etwas hören. Unser einziger Wunsch, wann hört endlich das Schaukeln auf.


Irgendwann nach langem Leiden, bemerke ich, wie die MotorgerĂ€usche ruhiger werden. Der Blick aus dem Fenster lĂ€sst mich aufjubeln. Land in Sicht. Die See ist auch nicht mehr so rau und meinem Magen geht es schon wesentlich besser. Mir kommen die vergangenen Stunden wie ein Alptraum vor. Wie sich spĂ€ter herausstellt, waren auf dem ganzen Schiff außer dem KapitĂ€n und seiner Crew, sowie Lars aus unserer Jugendgruppe, alle Seekrank geworden.
Im Hafen, mit festem Boden unter den FĂŒĂŸen, sind wir dann alle wieder obenauf. Ein Wahnsinnshunger hat uns befallen. Kein Wunder, unsere MĂ€gen sind nach dem Ausflug total leer. Wir beschließen, die nĂ€chste Frittenbude anzusteuern. Bei Pommes mit Majo und Frikandell Spezial können wir ĂŒber die eine oder andere Szene, die sich auf der Dolfijn abgespielt hat, schon wieder herzlich lachen. Wenn auch unser Fangergebnis nicht erwĂ€hnt werden braucht, steht fest und darin sind wir einer Meinung, diese Fahrt war ein Erlebnis.



Eine Frage beschÀftigte mich allerdings noch lange. Warum wurde Lars, den ich vorhin schon erwÀhnte, nicht Seekrank? Lag es vielleicht daran, dass er vor der Abfahrt Reisetabletten geschluckt hat?
Sollten wir wieder einmal eine Hochseeangelfahrt planen, nehmen wir ihm diese Tabletten vorher ab,

. . . . . denn wir Angler brauchen kein Doping.



Unsere Billanz:

Fang: 7 Makrelen
Seekrank: 6 von 7




© Harald Will (2007) www.k-h-o.de

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